Von links nach rechts: Sonja Möschter, Marcus Keidel, Dr. Rainer Kowalkowski, Frank Mayer, Ingo Nathusius, Regina Shiels.

Der alte Vorstand ist auch der neue!

Der Höchster Geschichtsverein entwickelt Archivprojekte weiter.

Der alte Vorstand ist auch der neue – ergänzt um zwei neue Beisitzer, die frischen Schwung in die Arbeit bringen. Die Mitgliederversammlung am 25. März 2026 im Porzellanmuseum verlief auch dieses Mal zügig und kurzweilig. Als Wahlleiter fungierte Bernd Kuske-Schmittinger.

Mit großer Mehrheit bestätigt wurden Frank Mayer als 1. Vorsitzender, Marcus Keidel als 2. Vorsitzender, Regina Shiels als Kassiererin sowie Dr. Rainer Kowalkowski als Schriftführer. Unterstützt wird das Team künftig von drei Beisitzern: Sonja Möschter und neu Thomas Schekelinski, der sich bereits aktiv in der Archiv-AG einbringt, sowie Neu-Höchster Ingo Nathusius.

Inhaltlich stand erneut die Arbeit im Archiv im Mittelpunkt. Das Projekt „museum-digital“ wächst kontinuierlich – ein Kraftakt, wie Frank Mayer betonte. Rein ehrenamtlich sei der enorme Bestand kaum zu bewältigen; theoretisch wären zwei Vollzeitkräfte über Jahre hinweg ausgelastet. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Höchster Geschichtsverein zu den ersten Vereinen gehörte, die mit dem Inventarisierungsprogramm gearbeitet haben. Der Datensatz wächst stetig weiter.

Ein besonders spannender Fund gelang eher zufällig: In einem unscheinbaren Karton wurden sogenannte Zugereistenkarten aus den Jahren 1932 und 1933 entdeckt – aus einer Herberge im ehemaligen Antoniterhof, der auf eine lange Tradition sozialer Fürsorge zurückblickt. Die lag früher im Areal der „Wunderbar“ und des Neuen Theaters Höchst. Diese Art Meldekarten dokumentieren eindrucksvoll Arbeitsmigration in Zeiten der Wirtschaftskrise – mit Angaben zu Herkunft, Ziel, Geburtsdaten und der Frage, ob die Personen arbeitssuchend waren. Rund 500 Blätter sollen nun transkribiert werden.

Geplant sind zudem Zeitzeugengespräche mit Höchster Persönlichkeiten. Menschen, die hier aufgewachsen sind, sollen ihre Erinnerungen teilen und so Geschichte lebendig machen – etwa Peter Abel oder Juwelier Bauer. Weitere Vorschläge werden gerne angenommen.

Ein großer Erfolg für den Verein ist die Rückführung bedeutender historischer Objekte: Das Regelbuch der Antoniter von 1661 sowie das Originalsiegel von 1696 befinden sich nun wieder im Vereinsarchiv. Auch über zehn große Kisten mit Porzellan wurden aus dem Porzellanmuseum zurückgeführt und sind wieder Teil des Bestands.

Sorge bereitet weiterhin der Zustand des Antoniterklosters. Noch immer dringt Wasser durch das Dach ein, während notwendige Maßnahmen nur schleppend vorankommen. Immerhin wurde der Dachboden geräumt und die Decke entlastet. Besonders kritisch ist die Situation im ehemaligen Kapitelsaal mit seinem einzigartigen Renaissancestuck. Bei den Räumarbeiten wurde zudem ein bislang unbekannter, heute zugemauerter Durchgang zum Nebengebäude entdeckt. Insgesamt besteht dringender Handlungsbedarf.

Mit Blick nach vorn verspricht 2026 ein ereignisreiches Jahr zu werden. Ein Highlight ist die Ausstellung „Höchst erzählt!“, die ab dem 10. Juni im Historischen Museum Frankfurt zu sehen ist. Die Hoffnung ist groß, dass die Ausstellung auch Besucherinnen und Besucher nach Höchst zieht – spätestens mit der geplanten Wiedereröffnung des Bolongaromuseums im Sommer 2027. Unklar bleibt allerdings, ob die künftigen Depoträume im Keller klimatisch für den Archivbestand geeignet sind, da verlässliche Messdaten bislang fehlen.

Erfreulich ist die stabile und wachsende Mitgliederzahl sowie das große Engagement in den Arbeitsgruppen. Der Vorstand versteht sich nicht als alleiniger Motor, sondern setzt bewusst auf die aktive Mitarbeit der Mitglieder – ob im Archiv, im Garten oder in der Kinder- und Jugendarbeit. Gerade die Arbeit mit Kindern liegt dem Verein besonders am Herzen, denn Geschichte soll nicht nur bewahrt, sondern auch lebendig vermittelt werden.

Abschließend dankte Frank Mayer ausdrücklich Patricia Stahl, der Leiterin des Porzellanmuseums, für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Zudem konnte Regina Shiels bestätigen: Der Verein bleibt weiterhin gemeinnützig.

Text: Sonja Möschter